Ratgeber
Der Begriff ist unscharf, weil sehr unterschiedliche Leistungen darunter laufen. Im Kern geht es um vier Dinge, und es lohnt sich, bei jedem Angebot zu prüfen, welche davon enthalten sind:
Ein Anbieter, der nur den Übertragungsweg stellt, löst Ihr Problem zur Hälfte. Die Rechnungen kommen dann zwar an, werden aber trotzdem zurückgewiesen, wenn Mapping und Referenzen nicht stimmen.
Es gibt Fälle, in denen sich der eigene Aufbau rechnet: Sie haben eine IT-Mannschaft, die EDI ohnehin für andere Prozesse betreibt, Sie beliefern wenige Handelspartner mit stabilen Anforderungen, und es gibt jemanden, der zuständig bleibt, wenn sich etwas ändert. Dann ist eine eigene Anbindung planbar und Sie behalten volle Kontrolle.
Der Punkt, an dem diese Rechnung kippt, ist selten die Erstanbindung. Es ist der zweite und dritte Handelspartner — jeder mit eigenem Subset, eigenen Pflichtfeldern und eigenen Standortnummern. Der Aufwand skaliert nicht mit Ihrem Umsatz, sondern mit der Zahl Ihrer Abnehmer.
Eigene EDI-Anbindung. Volle Kontrolle, dafür Entwicklungs- und Mapping-Aufwand je Handelspartner sowie dauerhafte Zuständigkeit für Änderungen. Sinnvoll bei vorhandener IT und wenigen, stabilen Abnehmern.
Web-EDI-Portal. Sie erfassen die Rechnung in einer Weboberfläche, das Portal macht daraus die EDI-Nachricht. Keine eigene Infrastruktur nötig, die Formatanforderungen sind zuverlässig erfüllt — aber der Aufwand fällt pro Rechnung an und wächst mit dem Volumen. Für wenige Rechnungen im Monat gut, für hunderte nicht.
Spezialisierter Dienst. Die Rechnung entsteht automatisch aus vorhandenen Daten und wird übermittelt, ohne dass jemand etwas erfasst. Der Aufwand bleibt unabhängig vom Volumen gleich. Der Preis dafür ist weniger Flexibilität: Ein spezialisierter Dienst deckt einen bestimmten Anwendungsfall ab, nicht jeden denkbaren.
„Brauche ich einen EDI-Dienstleister?“ ist selten wirklich eine Frage nach Technik. Sie ist eine Frage danach, wer in zwei Jahren zuständig ist, wenn ein Handelspartner etwas umstellt und die Rechnungen liegen bleiben. Wenn Sie darauf im eigenen Haus keine überzeugende Antwort haben, ist das das eigentliche Argument — nicht der Aufwand für die erste Anbindung.
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